An der Universität Rostock scheint der Arbeitsmarkt dramatische Auswirkungen auf das Studienangebot zu haben: Heute wird der Landtag über die sofortige Schließung der juristischen Fakultät beraten. Die vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur eingebrachte Zielvorgabe für die Universität Rostock sieht vor, dass bereits zum Wintersemester 2006/07 keine Jurastudenten mehr in Rostock immatrikuliert werden. Von dieser einschneidnden Maßnahme soll auch der Studiengang Zahnmedizin betroffen sein.
Die Gründe, weshalb man sich für eine Schließung ausspricht: Eine Arbeitslosenquote unter Juristen von 21,6 %. Gegen diese Zahl protestiert die Unileitung jedoch vehement und verweist darauf, dass aus selber Quelle hervorgeht, dass nicht einmal jeder zwansigste Jurist arbeitslos sei, was der wesentlich geringeren Prozentzahl von 4,3 entspräche. Vermutet wird eine gezielte Täuschung seitens des Ministeriums.
Ein weiterer Grund sei eine (erhoffte) Kosteneinsparung bei der Universität, dies sieht der Präsident allerdings anders. Vielmehr sorgt er sich um die 1.150 Rostocker Jurastudenten, die damit aus Rostock wegziehen müssten und der Region damit einen Kaufkraftverlustvon ca. 1 Mio. Euro pro Monat bescherten.
Er verweist weiter auf die bundesweit einzigartigen Ausbildungsschwerpunkte “Anwaltsorientierte Juristenausbildung” und “Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)” sowie auf die 15jährige Tradition dieser Uni. Trotz Vorlage verschiedener Konzepte, die den Sparvorgaben entsprochen hätten berät nun heute der Landtag über die endgültige Schließung. (idw)
Ganz so unrealistisch ist diese Situation eventuell auch für Bayreuth nicht. Klar, hier in Bayern herrscht eine andere Situation. Aber ich fürchte, resultierend aus der Finanzpolitik der Bayreuther Uni in den letzten Jahren, dass die juristische Fakultät nicht auf so einen enormen Rückhalt seitens der Unileitung zählen könnte, wie das in Rostock passiert. Vergleicht man die finanzielle Förderung etwa der naturwissenschaftlichen Fakultäten, Materialwissenschaft etc. mit der der juristischen in Bayreuth, erkennt man einen nicht von der Hand zu weisendes Gefälle. Dabei handelt es sich bei der RW Fakultät um die größte in Bayreuth mit deutschlandweit bekannter wirtschaftswissenschaftlicher Zusatzausbildung, die für den Großteil der Jurastudenten der Grund ist, überhaupt nach Bayreuth zu ziehen. Bleibt die Hoffnung, dass unser neuer Oberbürgermeister dem entgegentritt und sich für “seine” Fakultät stark macht.
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Ach je, das Arbeitslostigkeitsargument ist derart vorgeschoben - da mag man nicht mal mehr den Kopf schütteln .
Es geht einzig und allein um Einsparungen, die Frau Finanzministerin gern bei den Hochschulen machen will. Hier laufen in allen Fachbereichen Konzentrationen von Studiengängen auf einzelne Fachhochschulen / Unis. Die FH Wismar hat auch schon Studiengänge verloren, z.B. an die FH Neubrandenburg. Konfliktherde allerorten.
Nach den Ideen des Finanz-/Kultusministeriums soll Jura auf die alterwürdige Uni Greifswald konzentriert und die Fakultät in Rostock geschlossen werden. Dagegen gibts - zu Recht - Protest.
Gruß von der Ostsee
A.B.
Das Argument der Arbeitslosigkeit kann ich ebenfalls nicht gelten lassen. Ich studiere zwar nich Jura in Rostock aber Wirtschaftsrecht in Wismar und wie A.B. bereits geschrieben hat, sind wir ebenfalls von den Sparmaßnahmen betroffen.
Nur mit viel Eigeninnitiative und Engagement der Hochschule Wismar konnte die Schließung von noch mehr Studiengängen verhindert werden.
Als nächstes wundern sich dann aber alle wieder warum in Mecklenburg-Vorpommern die Abwanderung von jugen Leuten so hoch ist. Anstatt sich attraktiver aufzustellen wird auf Teufel komm raus gespart und das zu Lasten der Studierenden. BUH!
[...] Die Vermutungen haben sich erschreckenderweise bewahrheitet: Die Universität Rostock muss ihre juristische Fakultät schließen! SPD und PDS beschlossen gestern im Landtag die Schließung des Studienganges. Und fast zeitgleich wird der Rostocker Rektor Hans-Jürgen Wendel, der sich für den Erhalt der Fakultät stark machte und bis zu letzt dessen Abschaffung zu verhinder versucht, vom Universitätskonzil abgewählt. Daraufhin stellten auch 8 der 9 Dekane ihre Ämter zur Verfügung, da sie sich, der politischen Linie Wendels folgend, durch die Entscheidung des Konzils ebenfalls abgewählt fühlten. [...]